Empfehlungsmarketing stirbt aus: Was passiert, wenn Ihre wichtigste Mandantenquelle wegbricht
Warum das Empfehlungsmodell, auf dem die meisten Kanzleien aufgebaut sind, strukturell unter Druck gerät – und was das für Ihre Kanzlei konkret bedeutet (Lesezeit: 6 Min.)
Fragen Sie Anwälte, woher ihre Mandanten kommen, lautet die Antwort in den meisten Fällen dasselbe: Empfehlungen. Zufriedene Mandanten, die weitererzählen. Kollegen, die verweisen. Steuerberater, Notare, Unternehmensberater, die bei Bedarf einen Namen nennen. Dieses Netzwerk funktioniert – und für viele Kanzleien hat es jahrelang, manchmal jahrzehntelang, zuverlässig funktioniert.
Das Problem ist nicht, dass Empfehlungen aufgehört haben zu wirken. Das Problem ist, dass sie als alleinige Mandantenquelle ein erhebliches strukturelles Risiko darstellen, das die meisten Kanzleien nie explizit als Risiko betrachtet haben.
Empfehlungsnetzwerke altern. Kooperationspartner gehen in Rente, wechseln Tätigkeitsfelder oder bauen selbst engere Partnerschaften zu anderen Kanzleien auf. Bestehende Mandanten beauftragen seltener erneut, weil sich ihre Lebenssituation verändert. Und der Markt um sie herum verändert sich: Wer heute einen Anwalt sucht, fragt seltener im Bekanntenkreis – und googelt stattdessen.
Kanzleien, die das erkennen, solange der Kalender noch voll ist, haben Zeit, gegenzusteuern. Kanzleien, die es erkennen, wenn die ersten Lücken entstehen, müssen unter Druck handeln. Dieser Artikel erklärt, warum das Empfehlungsmodell strukturell unter Druck gerät, welche konkreten Risikosignale es gibt – und wie eine Kanzlei sich rechtzeitig unabhängig aufstellt.

[fs-toc-h2]Warum Empfehlungen als alleinige Mandantenquelle ein Risiko sind – nicht eine Stärke (Lesezeit: 2 Min.)
Empfehlungen fühlen sich wie eine Stärke an, weil sie ohne aktive Marketingarbeit funktionieren. Jemand anderes tut die Akquise – aus eigenem Antrieb, aus echter Überzeugung. Kein Budget, kein Aufwand, kein Risiko.
Diese Wahrnehmung ist richtig – bis sie es nicht mehr ist.
Das Empfehlungsmodell hat drei strukturelle Schwachstellen, die mit der Zeit größer werden, nicht kleiner:
Schwachstelle 1: Sie haben keine Kontrolle über den Zufluss.Eine Kanzlei, die ausschließlich über Empfehlungen wächst, kann nicht aktiv steuern, wie viele Anfragen sie erhält – weder nach oben noch nach unten. Gute Monate wechseln mit ruhigen Monaten ohne klaren Grund und ohne Möglichkeit der Einflussnahme. Planbarkeit ist strukturell nicht möglich.
Schwachstelle 2: Empfehlungsnetzwerke haben ein Verfallsdatum.Wer heute 55 Jahre alt ist und seit 20 Jahren dieselben Kooperationspartner hat, sitzt auf einem Netzwerk, das gemeinsam altert. In zehn Jahren sind viele dieser Quellen nicht mehr aktiv. Wer nicht parallel neue Quellen aufgebaut hat, steht vor einer Lücke – aber ohne die Zeit, die ein systematischer Aufbau benötigt.
Schwachstelle 3: Das Suchverhalten hat sich verändert – und verändert sich weiter.Noch vor zehn Jahren war die persönliche Empfehlung die dominante Methode, mit der Menschen einen Anwalt fanden. Heute ist Google die erste Anlaufstelle. Laut verschiedenen Marktdaten recherchiert die Mehrheit der Mandanten vor einem Erstgespräch online – selbst wenn sie ursprünglich durch eine Empfehlung auf eine Kanzlei aufmerksam wurden. Wer online nicht überzeugend auftritt, verliert auch Empfehlungsmandate an den Mitbewerber, der online besser positioniert ist.
[fs-toc-h2]Die vier Warnsignale, die zeigen, dass eine Kanzlei zu abhängig von Empfehlungen ist (Lesezeit: 1 Min.)
Nicht jede Kanzlei ist gleich abhängig – aber die folgenden Signale zeigen an, dass das Empfehlungsmodell bereits heute zu dominant ist:
- Mehr als 80 % der Neumandanten kommen über direkte Empfehlung oder persönliches Netzwerk – ohne dass aktiv gemessen wird, woher die restlichen 20 % kommen
- Es gibt keine eigene Website, die regelmäßig Anfragen erzeugt – die Seite ist vorhanden, aber niemand weiß, ob und wie sie genutzt wird
- Die Kanzlei hat weniger als zehn Google-Bewertungen – selbst empfohlene Mandanten googeln vorher und werden durch ein schwaches Online-Profil verunsichert
- Kooperationspartner werden älter, ohne dass neue dazukommen – das Netzwerk wächst nicht mehr, es lebt von der Substanz früherer Jahre
- Ruhige Phasen werden als Zufall betrachtet – nicht als Signal, dass die Pipeline strukturell zu dünn ist
Wer zwei oder mehr dieser Punkte wiederkennt, sollte das nicht als Kritik lesen – sondern als Ausgangspunkt für eine konkrete Veränderung.
[fs-toc-h2]Was passiert, wenn die Empfehlungsquelle wegbricht – ein realistisches Szenario (Lesezeit: 2 Min.)
Keine Dramatisierung, sondern eine nüchterne Beschreibung dessen, was in der Praxis immer wieder passiert:
Ein erfahrener Steuerberater, der seit 15 Jahren regelmäßig Mandanten an eine Kanzlei verwiesen hat, geht in Rente. Sein Nachfolger hat bereits eine eigene Kanzleiverbindung – oder empfiehlt niemanden mehr aktiv. Eine Quelle, die über Jahre zuverlässig drei bis fünf Anfragen pro Monat geliefert hat, bricht innerhalb weniger Monate weg.
Gleichzeitig altert der Mandantenstamm: Mandanten, die früher regelmäßig neue Angelegenheiten brachten, haben weniger aktive Rechtsfragen. Weiterempfehlungen aus diesem Kreis werden seltener.
Das Ergebnis ist keine Katastrophe von heute auf morgen – es ist ein schleichendes Absinken des Anfragevolumens über sechs bis zwölf Monate. Wer dann beginnt, aktives Marketing aufzubauen, braucht drei bis sechs weitere Monate, bis erste Maßnahmen greifen. Insgesamt entstehen leicht anderthalb bis zwei Jahre, in denen das Anfragevolumen unter dem notwendigen Niveau liegt.
Wer dagegen rechtzeitig – also heute, während der Kalender noch voll ist – parallele Kanäle aufbaut, hat diese Zeitlücke nicht. Er hat stattdessen ein System, das unterschiedliche Quellen kombiniert und damit strukturell robuster ist als jedes reine Empfehlungsmodell.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Funktionieren Empfehlungen noch?"
Die Frage lautet: „Was passiert mit meiner Kanzlei, wenn sie morgen aufhören?"
[fs-toc-h2]Welche Kanäle Empfehlungen sinnvoll ergänzen – ohne das Bestehende zu ersetzen (Lesezeit: 2 Min.)
Das Ziel ist nicht, Empfehlungen durch Marketing zu ersetzen. Das Ziel ist, das Empfehlungsmodell um Kanäle zu ergänzen, die unabhängig davon funktionieren und den Mandantenzufluss stabilisieren.
Kanal 1: Organische SuchmaschinenoptimierungWer bei Google für relevante Rechtsgebiete und Standorte gefunden wird, erhält Anfragen von Menschen, die aktiv nach Hilfe suchen – vollständig unabhängig vom persönlichen Netzwerk. SEO braucht Zeit zum Aufbau, liefert aber dauerhaft Anfragen ohne laufende Werbekosten. Es ist der nachhaltigste Gegenpart zum Empfehlungsmodell: nicht personenabhängig, nicht netzwerkabhängig, nicht altersabhängig.
Kanal 2: Google-Bewertungen und lokale SichtbarkeitEmpfehlungen funktionieren heute häufig digital: Jemand nennt einen Namen, der andere googelt ihn sofort. Was dann erscheint – oder nicht erscheint – entscheidet mit darüber, ob aus der Empfehlung eine Anfrage wird. Eine Kanzlei mit 40 positiven Google-Bewertungen konvertiert empfohlene Interessenten deutlich zuverlässiger als eine Kanzlei, die online kaum Präsenz hat.
Kanal 3: Content-Marketing und fachliche SichtbarkeitBlogartikel, LinkedIn-Beiträge und Fachpublikationen erweitern das Empfehlungsnetzwerk systematisch: Wer regelmäßig sichtbar zu einem Thema kommuniziert, wird von Kooperationspartnern wahrgenommen, die ihn noch nicht persönlich kennen. Content schafft passive Empfehlungsquellen – Menschen und Organisationen, die auf eine Kanzlei verweisen, nicht weil sie persönlich bekannt sind, sondern weil sie online sichtbar und überzeugend wirken.
Kanal 4: Strukturiertes KooperationsnetzwerkDas bestehende Empfehlungsnetzwerk lässt sich aktiv erweitern und verjüngen – nicht durch zufällige Kontakte, sondern durch systematische Pflege und gezielte Erschließung neuer Kooperationspartner. Wer einmal im Jahr alle aktiven Kooperationspartner identifiziert, bewertet und gezielt neue hinzufügt, hält das Netzwerk lebendig – anstatt passiv zu warten, bis es schrumpft.
[fs-toc-h2]Wie eine Kanzlei den Umstieg von Empfehlungsabhängigkeit zu einem robusten System gestaltet (Lesezeit: 1 Min.)
Der Übergang gelingt am besten nicht als radikaler Wechsel, sondern als schrittweise Ergänzung. Folgende Logik hat sich bewährt:
Schritt 1: Status quo ehrlich messen.Woher kommen die letzten 20 Neumandanten? Wie viel Prozent waren direkte oder indirekte Empfehlungen? Wie viele kamen über Google, über die Website, über andere Kanäle? Wer das nicht weiß, kann nicht strategisch gegensteuern.
Schritt 2: Das schwächste Glied in der Online-Präsenz identifizieren.Für die meisten Kanzleien ist das entweder das Google-Unternehmensprofil, das zu wenig Bewertungen hat, oder die Website, die Besucher nicht in Anfragen konvertiert. Das schwächste Glied zuerst zu beheben, hat den höchsten unmittelbaren Effekt.
Schritt 3: Einen nachhaltigen Kanal aufbauen – konsequent und langfristig.Wer sich für SEO entscheidet, zieht es 12 Monate durch. Wer sich für Content-Marketing entscheidet, publiziert regelmäßig – nicht sporadisch. Halbherzige Versuche produzieren halbherzige Ergebnisse und verstärken die falsche Überzeugung, dass Marketing für Kanzleien nicht funktioniert.
Schritt 4: Erfolg messen und nachsteuern.Wie viele Anfragen kommen monatlich? Aus welchen Kanälen? Welche führen zu Beauftragungen? Diese drei Fragen sollte jeder Kanzleiinhaber beantworten können – und wenn nicht, ist das Tracking der nächste Schritt.
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